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Die Lebensgeschichte von Thich Nhat Hanh

Zen-Meister Thich Nhat Hanh ist ein globaler spiritueller Lehrer, Dichter und Friedensaktivist, der für seine kraftvollen Lehren und Bestseller Bücher über Achtsamkeit und Frieden bekannt ist. Er ist ein sanfter und bescheidener Mönch. Dr. Martin Luther King nannte ihn „einen Apostel des Friedens und der Gewaltfreiheit“, als er ihn 1967 für den Friedensnobelpreis nominierte. Thich Nhat Hanh wurde fast vier Jahrzehnte lang aus seiner Heimat Vietnam verbannt und war ein Pionier, der den Buddhismus und die Achtsamkeit in den Westen brachte und eine engagierte weltweite buddhistische Gemeinschaft für das 21. Jahrhundert gründete.

Die frühen Jahre

Wie man “Thich Nhat Hanh” ausspricht

Die deutsche Aussprache lautet: “Tik – Njatt – Han”. Da es sich bei Vietnamesisch jedoch um eine Tonsprache handelt, ist dies nur eine Annäherung. Von seinen Schülern wird er liebevoll Thay (ausgesprochen „Taih“) genannt, was im Vietnamesischen „Lehrer“ bedeutet.

Thich Nhat Hanh wurde 1926 in Zentralvietnam geboren und trat im Alter von sechzehn Jahren als Novize in den Tu Hieu-Tempel in der Stadt Hue ein. Als junger Bhikkhu (Mönch) in den frühen 1950er Jahren engagierte er sich aktiv in der Bewegung zur Erneuerung des vietnamesischen Buddhismus. Er war einer der ersten Bhikkhus an der Universität in Saigon, die ein säkulares Fach studierten und einer der ersten sechs Mönche in Vietnam, die Fahrrad fuhren.

Sozialer Aktivismus während des Vietnamkrieges

Als der Krieg nach Vietnam kam, sahen sich die Mönche und Nonnen mit der Frage konfrontiert, ob sie am kontemplativen Leben festhalten und weiterhin in den Klöstern meditieren, oder ob sie den Menschen in ihrer Umgebung helfen sollten, die schwer unter den Bombenangriffen und den Kriegswirren litten. Thich Nhat Hanh gehörte zu denjenigen, die sich entschlossen beides zu tun, und begründete damit die Bewegung des “engagierten Buddhismus”. Er prägte den Begriff erstmals in seinem Buch “Vietnam: Lotus in einem Meer aus Feuer”. Von diesem Zeitpunkt an widmete er sein Leben der Lehre und Praxis der inneren Transformation zum Wohle des Einzelnen und der Gesellschaft.

Während dieser Hilfmission, nach einer historischen Flut Nahrung zu hungrigen Familien zu bringen, gerieten sie unter Beschuss.

1961 reiste Thich Nhat Hanh in die Vereinigten Staaten, um an der Universität in Princeton Vergleichende Religionswissenschaften zu lehren. Im folgenden Jahr wechselte er an die Columbia Universität und führte dort seine Lehrtätigkeit und Forschungen über den Buddhismus fort. Anfang der 1960er Jahre gründete Thich Nhat Hanh in Vietnam die „Schule für Jugend und Sozialarbeit“ (School for Youth and Social Service – SYSS), eine Basis-Hilfsorganisation mit über 10.000 Freiwilligen, die auf den buddhistischen Prinzipien der Gewaltlosigkeit und des mitfühlenden Handelns basiert.

Meditation bedeutet nicht, der Gesellschaft zu entfliehen, sondern zu uns selbst zurückzukommen und zu sehen, was in uns vor sich geht. Sobald wir das sehen, muss Handeln folgen. Mit Hilfe der Achtsamkeit wissen wir, was wir tun und was wir nicht tun sollten, um zu helfen.

Thich Nhat Hanh

Als Gelehrter, Lehrer und engagierter Aktivist gründete Thich Nhat Hanh in den 1960er Jahren auch die Van Hanh Buddhist University in Saigon, den Verlag La Boi sowie eine einflussreiche Zeitschrift für Friedensaktivisten. Im Jahr 1966 gründete er den Intersein-Orden, eine neue Gemeinschaft, die auf den traditionellen buddhistischen Bodhisattva-Grundsätzen basiert.

Am 1. Mai 1966 erhielt Thich Nhat Hanh im Tu Hieu-Tempel die „Übertragung der Dharma-Lampe“ von Meister Chan That.

Exil aus Vietnam

Einige Monate später reiste er noch einmal in die USA und nach Europa, um für den Frieden zu werben und ein Ende der Feindseligkeiten in Vietnam zu fordern. Während dieser Reise 1966 traf er zum ersten Mal Dr. Martin Luther King, der ihn 1967 für den Friedensnobelpreis nominierte. Als Folge dieser Mission wurde ihm sowohl von Nord- als auch von Südvietnam das Recht verweigert, nach Vietnam zurückzukehren, und er begann ein langes 39 Jahre währendes Exil.

Martin Luther King Jr. with Thich Nhat Hanh
“Er ist ein Apostel des Friedens und der Gewaltlosigkeit.” Martin Luther King Jr.

Thich Nhat Hanh reiste weiterhin in großem Umfang, verbreitete die Botschaft von Frieden und Brüderlichkeit und setzte sich gegenüber westlichen Führern für ein Ende des Vietnamkrieges ein. 1969 leitete er die buddhistische Delegation bei den Pariser Friedensgesprächen.

Gründung von Plum Village in Frankreich

Außerdem lehrte er weiterhin, hielt Vorträge und schrieb über die Kunst der Achtsamkeit und des „lebendigen Friedens“ und war Anfang der 1970er Jahre Dozent und Forscher für Buddhismus an der Sorbonne Universität in Paris. 1975 gründete er die „Sweet Potato“-Gemeinschaft in der Nähe von Paris und zog 1982 an einen deutlich größeren Standort im Südwesten Frankreichs, der bald als „Plum Village“ bekannt wurde.

In der Gründungszeit von Plum Village

Unter der spirituellen Führung von Thich Nhat Hanh hat sich Plum Village von einem kleinen ländlichen Gehöft zum heute größten und aktivsten buddhistischen Kloster des Westens entwickelt, mit über 200 ansässigen Mönchen und Nonnen, sowie mehr als 10.000 Besuchern, die jedes Jahr aus der ganzen Welt anreisen, um „die Kunst des achtsamen Lebens“ zu erlernen.

Plum Village heißt Menschen aller Altersgruppen, Hintergründe und Glaubensrichtungen zu Retreats willkommen, in denen sie verschiedene Praktiken erlernen können, wie z. B. die Gehmeditation, Sitzmeditation, Essmeditation, Tiefenentspannung, Arbeitsmeditation, das Innehalten, Lächeln und das achtsames Atmen. Dies sind alles alte buddhistische Übungen, deren Essenz Thich Nhat Hanh destilliert und weiterentwickelt hat, damit sie einfach aber kraftvoll auf die Herausforderungen und Schwierigkeiten unserer Zeit angewendet werden können.

In den letzten zwanzig Jahren haben sich über 100.000 Menschen dazu entschlossen, in ihrem täglichen Leben den von Thich Nhat Hanh modernisierten Richtlinien einer universellen Weltethik zu folgen, die als „Die fünf Achtsamkeitsübungen“ bekannt sind.

Ein Vortrag für Kinder in der großen Meditationhalle „Stilles Wasser“ in Upper Hamlet, Plum Village

In jüngerer Zeit hat Thich Nhat Hanh Wake Up gegründet, eine weltweite Bewegung Tausender junge Menschen, die sich in diesen Praktiken des achtsamen Lebens üben, und er hat das internationale Wake Up Schools Programm ins Leben gerufen, das Lehrer und Pädagogen darin ausbildet in Schulen in Europa, Amerika und Asien Achtsamkeit zu unterrichten.

Creating calligraphies, 2013

Thich Nhat Hanh ist außerdem ein Künstler, und seine einzigartigen und beliebten kalligrafischen Werke – kurze Sätze und Worte, die die Essenz seiner Achtsamkeitslehren einfangen – wurden seit 2010 in Hongkong, Taiwan, Kanada, Deutschland, Frankreich und New York ausgestellt.

In den letzten zehn Jahren hat Thich Nhat Hanh Klöster in Kalifornien, New York, Vietnam, Paris, Hongkong, Thailand, Mississippi, Australien und Deutschland gegründet – das “Europäische Institut für Angewandten Buddhismus” (EIAB) in Waldbröl bei Bonn.

In den Achtsamkeits-Praxiszentren in der Tradition von Plum Village werden spezielle Retreats für Geschäftsleute, Lehrer, Familien, Angestellte im Gesundheitswesen, Psychotherapeuten, Politiker und junge Menschen sowie für Kriegsveteranen und Israelis und Palästinenser angeboten. Jedes Jahr nehmen schätzungsweise über 75.000 Menschen weltweit an Aktivitäten teil, die von Mönchen und Nonnen aus Plum Village geleitet werden.

Im Gespräch mit der Weltbank, September 2013

In den letzten Jahren leitete Thich Nhat Hanh Veranstaltungen für Mitglieder des US-Kongresses und für Parlamentarier in Großbritannien, Irland, Indien und Thailand. Er hat vor dem Weltparlament der Religionen in Melbourne und der UNESCO in Paris gesprochen und konkrete Schritte zur Beendigung des Kreislaufs von Gewalt, Krieg und Klimaerwärmung gefordert. Bei seinem Besuch in den USA im Jahr 2013 leitete er hochkarätige Achtsamkeitsveranstaltungen bei Google, der Weltbank und der Harvard School of Medicine.

Am 11. November 2014, einen Monat nach seinem 88. Geburtstag und nach mehreren Monaten rapide abnehmender Gesundheit, erlitt Thich Nhat Hanh einen schweren Schlaganfall. Obwohl er immer noch nicht sprechen kann und auf der rechten Seite größtenteils gelähmt ist, inspiriert er und vermittelt uns weiterhin das Dharma durch seine friedliche, ruhige und unerschütterliche Präsenz.

Thich Nhat Hanh lebt derzeit im Từ Hiếu Tempel in Vietnam, wo er mit sechzehn Jahren durch seinen Lehrer ordiniert wurde. Er hat den Wunsch geäußert, für seine verbleibenden Tage dort zu verweilen. Er kommt regelmäßig in seinem Rollstuhl heraus, um die Tempelaltäre zu besuchen und die Sangha in der Gehmeditation entlang der Teiche und Stupas der Vorfahren zu führen. Thays Rückkehr zu Từ Hiếu war eine Glocke der Achtsamkeit, die uns alle daran erinnert, wie kostbar es ist, einer spirituellen Linie mit tiefen Wurzeln anzugehören. Ob wir an einem Retreat teilgenommen haben, einfach nur eines von Thays Büchern gelesen oder einem seiner Vorträge zugehört haben und von seinen Lehren berührt worden sind – wir alle sind mit diesem alten Strom der Weisheit und des Mitgefühls verbunden.

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What is Mindfulness

Thich Nhat Hanh January 15, 2020

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